27. Schweriner Fünf-Seen-Lauf

Juli 3rd, 2011 von Matze

Letztes Jahr Hitzerekord, dieses Jahr Regen, kühle 12°C und ne steife Brise. Da hat der Lauf mal seine andere Seite gezeigt.

Bei bisher jeder meiner Teilnahmen wurden die Läufer beim Fünf-Seen-Lauf von der Hitze gemartert. Der Höhepunkt wurde im letzten Jahr erreicht, wo 32°C im Schatten viele Opfer forderten. In meinen bisherigen 7 Starts über 30 km bei diesem Lauf hat es soweit ich mich entsinnen kann nur einmal etwas geschauert, aber sonst hatten wir immer bestes Wetter. Naja, zum Laufen nicht unbedingt! ;-) Dieses Jahr kam alles anders, der Wetterbericht sagte ergiebigen Regen voraus und starke Windböen. Dazu Temperaturen wie im Herbst.

Die unmittelbare Vorbereitung auf diesem Wettkampf lief eher auf Sparflamme. Ich musste mir nach der ersten Hälfte der Saison irgendwann ein paar Wochen Zeit fürs Erholen nehmen und das Training in dieser Zeit etwas zurückschrauben. Da ich dieses Jahr eher keinen Marathon laufen wollte, sondern eher 10 km-WKs laufen möchte, sollte der Fünf-Seen-Lauf auch nicht der Höhepunkt der ersten Saisonhälfte sein. Also nutzte ich die letzten beiden Wochen zur Pause und trainierte nur langsam im GA1-Bereich. Ausnahme war der letzte Donnerstag, wo ich mich mal auf einem kurzen Tempodauerlauf testete. Wie ich allerdings die 30 km beim FSL in einem relativ hohem Tempo durchhalten würde, konnte ich nicht abschätzen. Ein paar längere Läufe habe ich in der kurzen Vorbereitungszeit gemacht, aber einschätzen konnte ich mich nicht. Also nahm ich mir als Ziel eine 1:50 h über 30 km vor, bzw. 3:40 min/km.

Warum laufe ich nun eigentlich 30 km, wenn ich doch meine Prioritäten dieses Jahr auf kurze Strecken lege. Mir ging es darum zu testen, ob sich die Eisenkur der letzten Monate gelohnt hat, oder nicht, um mein Problem mit den Bauchmuskelkrämpfen bei längeren WK-Belastungen in den Griff zu bekommnen. Den Fünf-Seen-Lauf habe ich noch NIE ohne Bauchmuskelkrämpfe beenden können. Nun habe ich lange Zeit regelmäßig Eisentabletten genommen und war gespannt, was das gebracht hat. Zuletzt musste ich bei einem HM im Mai wegen Krämpfen schon bei km 17 Gehpausen einlegen und im Juni beim Inselseelauf über 20 km auf den letzten beiden Kilometern das Tempo drastisch reduzieren.

Der andere Grund ist, dass ich beim FSL bisher immer über 30 km an den Start gegangen bin. Also ist das schon Tradition bei mir.

Neben mir starteten auch noch Jana, Fred und Roland beim FSL, die ersten beiden über 30 km, Roli über 15 km. Auch das Laufteam Feuerraeder ließ sich diemal den FSL nicht entgehen und so kam es sogar zu einem kleinen Bloggertreffen in Schwerin.

Jana und ich fanden uns gegen 9:30 Uhr im Startgebiet auf dem Berta-Klingberg-Platz in Schwerin ein. Unser Start sollte um 10:10 Uhr sein, und wir hatten Probleme nicht auszukühlen. Letztes Jahr haben wir noch den Schatten gesucht! Diesmal stand ich im Regenponcho auf der Stelle laufend und mit wärmenden Fleecepullover auf dem Platz. Der große Regen blieb zum Glück bisher aus, es nieselte nur etwas.

Im Vorfeld erkundigte ich mich nach der Konkurrenz, aber kannte aus der Starterliste nur Danny Thewes, gegen den ich schon oft laufen musste und auch schon ab und zu verlor. Direkt vor dem Start konnte ich noch Eike Eyermann sehen, der sich wohl nachgemeldet hatte. Er ist auch jedes Jahr aufs Neue ein Anwärter auf die vorderen Plätze.

Der Startschuss fiel und die Meute setzte sich in Bewegung. Danny und ich übernahmen das Tempo, was komisch war, denn für gewöhnlich gibt es immer ein paar Läufer, die auf den ersten paar hundert Metern das Weite suchen, bevor sie nen Kilometer später wieder einkassiert werden. Aber diesmal nicht. Das liegt vielleicht daran, dass die 30 km-Läufer von den 10 km- und 15 km-Läufern getrennt starten. Auf dem langen Kanten finden sich dann nur noch die ausgesprochen erfahrenen Läufer wieder, und die sind sich ihrer Kräfte wohl bewusst. Da geht keiner zu schnell an!

Unsere Gruppe war anfangs noch recht groß. Wieviele wir waren, kann ich nicht sagen. Ich habe mich nicht umgeschaut und lief mit Danny und Eike immer vorneweg. Kilometer 5 passierten wir nach 17:50 min, was schon recht schnell war, aber ich fühlte mich gut, ausgesprochen gut! In dem Tempo gings dann auch weiter. Kilometer 10 passierten wir nach ziemlich genau 36 min. Irgendwann da hatte Danny den Kontakt zur Gruppe verloren. Wir waren noch zu viert in der Spitze und ich und Eike gaben das Tempo vor.

Als wir nach 12 km bei Consrade in das Waldstück einbogen lockerte sich mein Schnürsenkel und ging alsbald auf. Ich hatte meine Schuhe jeweils mit einem Knoten, einer Schleife und noch einem Knoten zugebunden. Hat aber nichts genützt, die Schleife ging auf. Es half nichts, ich musste kurz anhalten, um meine Schnürsenkel in die Schuhe zu stopfen. Dabei verlor ich den Kontakt zur Gruppe, versuchte wieder ranzulaufen, aber es ging nicht mehr. Ich konnte den Kontakt nicht mehr herstellen, verlor sogar Boden. Nach meiner ungewollten Pause war mein Befinden urplötzlich gegenteilig. Das Laufen fiel mir plötzlich schwer, der Laufstil war nicht mehr kraftvoll. Jemand aus der Spitzengruppe, um es vorweg zu nehmen: der schlussendliche Sieger Michael Müller, zündete nun ab km 15 den Turbo und sprengte die Gruppe. Eike befand sich nun auf Position drei, davor Samuel Diedering. Nun war jeder auf sich alleine gestellt. Beim Berliner Platz konnte ich aufgrund der Streckenführung sehen, wer meine Verfolger waren. Danny und ein paar andere Läufer waren tatsächlich nur ca. 70 m hinter mir. Es ging auf den Franzosenweg zurück und dann passierte mir das nächste Malheur: mein anderer Schnürsenkel ging auf. Also wieder anhalten, schnell Schnüre in die Schuhe gestopft und weiter gings. Ich blickte mich vor dem Weiterlaufen nicht um, war mir aber gewiss, dass meine Verfolger mir im Nacken saßen. Nachdem ich den Haupteingang des Zoos passiert hatte, lief  Holger Stoek auf mich auf und überholte mich. Ich konnte nicht lange sein Tempo mithalten. Ich wurde zusehends langsamer. Besonders die kleinen Anstiege setzten mir ungemein zu. Aber ich lief so gut es ging weiter. Was mich dabei motivierte war, dass ich bis dahin keine Bauchmuskelkrämpfe bekam. Ich kann mich an Jahre erinnern, da hatte ich schon vor der Hälfte der Strecke Gehpausen einlegen müssen, weil ich unerträgliche Schmerzen hatte. Diesmal befand ich mich schon bei km 21 und merkte noch nicht viel. Vielleicht ein paar kleine Anflüge drohender Krämpfe, aber nichts was mir Sorgen bereitete.

Entlang des Ostorfer Sees standen hier und da mal Zuschauer, die beim Vorüberlaufen applaudierten. So hörte ich, dass nur wenige zehn Meter hinter mir ein Verfolger drauf und dran war mich einzuholen. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt irgendwie schon fast egal. Ich kämpfte nur noch gegen mich selbst. Auf den nächsten Kilometern kam aber niemand an mich rangelaufen und so dachte ich, dass ich wohl nicht der einzige mit Einbruchserscheinungen bin. ;-) Ich versuchte meine Pace noch so gut es ging zu halten, aber war mit Kilometern von 3:45 min schon recht langsam, und es sollte noch langsamer werden. Der letzte Kilometer vor den Lankower Bergen war schon nur noch eine 3:52 min. Ich rechnete die Zeit hoch auf 30 km und wusste, dass ich mein gestecktes Ziel von sub 1:50 h nicht mehr schaffen würde. :-(

Nun ging es in die Lankower Berge und ich hörte noch immer meinen Verfolger hinter mir. Den ersten und schwersten Berg der Lankower Berge, den “Pickel” lief ich irgendwie noch hoch, wenn man da noch von Laufen sprechen kann. Das Tempo glich eher dem eines Walkers. Dann gings bergab und man musste aufpassen nicht auszurutschen. Noch immer blieb der große ergiebige Regen aus, aber der Nieselregen reichte aus, um das Gras rutschig und die Wege matschig zu machen und so wurde der Lauf durch die Lankower Berge eine Rutschpartie, wenn man nicht aufpasste. Ich hielt mich an Position 5 und das Ziel kam immer näher. Ich gab nicht weiter nach und rettete meinen 5ten Platz in 1:48:46 h noch mit 15 Sekunden Vorsprung auf den sechsten ins Ziel. Sechster wurde übrigens Danny! Meine Zeit war dann doch noch unter 1:50 h, aber nur weil die Strecke nicht 30 km sondern eher 29,15 km lang ist.

Nach meinem Zieleinlauf plauschte ich noch schnell mit meinen Mitstreitern und machte mich nach ein paar Bechern Iso-Gesöff laufender Weise auf zum Haus meiner Eltern, was für mich noch 2 Extrakilometer bedeutete. Nach dem Duschen packte ich Pino und meine Eltern ins Auto, um Jana im Ziel noch rechtzeitig in Empfang zu nehmen. Aber ich habe sie, Fred und Heiko wohl um ein paar Minütchen verpasst und durfte nun im Regen ne gefühlte Ewigkeit auf sie warten. Die Siegerehrung war schon längst vorbei als sie endlich auftauchte um zu erfahren, dass sie in der AK den zweiten Platz gemacht hatte. Eigentlich lief sie mit ihrem Papa und Heiko (Feuerraeder) mit, jedoch musste Fred nach 20 km abreissen lassen und Heiko nach 26 km. Jana machte von da an Ernst und überholte noch so einige Läuferinnen vor ihr, was ihr dann den wohlverdienten zweiten Platz in der AK bescherte.

Ich war völlig unterkühlt, als wir wieder zu meinen Eltern fuhren. Ich duschte gleich noch ein zweites Mal, um mich wieder aufzuwärmen. Gleich danach gings ab zum Essen ins “Zeppelin” im Wurm, wo wir unseren Bloggertreff genüsslich ausklingen liessen.

Obwohl der WK für mich nicht ganz so erfolgreich wie erhofft verlief, auch aufgrund der mangelnden Vorbereitung auf diese Distanz, stimmt mich die Tatsache zufrieden, dass ich erstmals OHNE Bauchmuskelkrämpfe den 30er überstanden habe. In der nächsten Woche habe ich einen Termin bei meinem Arzt, um mal wieder ein Blutbild machen zu lassen. Ich bin mal gespannt, ob das eine Erklärung für diesen Umstand im Blutbild zeigt.

Für mich gehts nun in die Vorbereitung für die nächsten 10 km-WKs, in erster Linie für die LM in Bützow Mitte August. Aber der nächste WK wird für mich die Rostocker Marathonnacht sein, wo ich in einer Staffel starten werde. mfg Matze

Geschrieben in Allgemein | 8 Kommentare »

8 Responses to “27. Schweriner Fünf-Seen-Lauf”

  1. 1
    Gudrun Says:

    Einige Läufer hatten sich bei der Rutschpartie blutige Knie zugezogen (hatte das auf dem Sichten der Bilder heute festgestellt). Von der Hinsicht war wirklich Vorsicht angesagt…

  2. 2
    Fred Says:

    Wie wär`s mit den selbstknotenden Schnürsenkeln? Bei einigen Laufschuhen sind die Schnürsenkel aber wirklich “selbstlösend”. Nochmals Glückwunsch zur guten Platzierung!

  3. 3
    Marathon Runner Says:

    Auch von meiner Seite Glückwunsch zur Platzierung. Bei Regen ist es mit den Schnürbändern immer so ne Sache, hätte auch einige Geschichten zu erzählen ;)

    Gruß Marathon Runner

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